Bertelsmann wird 400 Mitarbeiter entlassen. Bertelsmann übernimmt Gruner + Jahr vollständig. Bertelsmann glaubt angeblich am Print-Geschäft. Gedruckte Zeitschriften funktionieren auch heute. Man muss der Geschwindigkeit des Internets nur was anderes entgegen setzen. Zum Beispiel gut geschriebene und ausführliche Artikel. Themen aufgreifen und aufbereiten, die im Internet schwerer zu vermitteln sind. Und einfach mal auf Leser hören. Was will der Leser und wofür gibt er gerne mehr Geld aus? Warum könnte heute eine Zeitschrift noch spannend oder sogar entspannend sein? Warum würde man dafür heute Geld bezahlen?

Sehr speziellere Themen, wo man entweder kaum was im Web findet oder wo man viel falsches zu findet, wäre eine Idee. Und da kommt quiek! ins Spiel. Quiek! ist das einzige Meerschweinchen-Magazin in Deutschland, was genau in diese Richtung geht. Warum? Weil die Medienhäuser ein solches Fachmagazin nicht herstellen wollen. Also wurde dies aus der Community heraus entwickelt und und über die Meerschweinchen-Community bekannt gemacht. Nach kaum 6 Monaten sind auf Facebook über 500 Fans, die Ausgabe 3/2014 hat 10.000 Downloads überschritten und die Ausgabe 4/2014 macht auch schon rasante Schritte dahin. Nur als Print gibt es dieses Heft nicht, sondern als PDF-Download zum selber ausdrucken. Und so manche machen es auch.

Die permanente Umfrage (von uns) hat ergeben, das viele unserer Leser für ca. 50 Seiten redaktionellen Inhalt, gern auch 5 Euro ausgeben. Die Händler und Hersteller rund um Meerschweinchen Produkte würden sicher gern in einem solchen Print-Magazin Anzeigen schalten. Würde ein Medienkonzern seine Marktmacht und Werbebudget nutzen, könnte das Heft schon mit der ersten Ausgabe am Kiosk, schnell locker 10000 oder mehr Hefte verkaufen.

Der Witz ist jedoch, das die Branche kein Interesse zeigt. Sie arbeiten am potenziellen Kunden vorbei. Die quiek!-Leser finden es toll. Klar, das Heft ist nicht professionell, es hat Rechtschreibfehler, das Layout ist ambitioniert (um es nett zu sagen) und die Inhalte sind nicht so umfassend, wie es eine professionelle Redaktion mit Geld, Fahrzeugen, Test-Labor und Kontakten kann. Aber trotzdem gibt es einen Beleg, das die Meerschweinchen-Freunde ein solches Heft wollen.

Wenn Bertelsmann (als Beispiel) sowas nicht haben will, was kann man tun? Nun, man gründet eine Firma, die eben selber eine solche Zeitschrift herstellt. Redaktion aufbauen, Medienpartner finden, Vertriebsswege (klassisch und modern) aufbauen. Kontakte mit der Community vertiefen usw. Und dann kommt das Heft auch in gedruckter Form und schwimmt gegen den Auflagen-Rückgang der großen Konzerne. Eine Zeitschrift, im Internet geboren auf dem Weg in eine klassische Welt von Kiosk und Papier.

Warum das so einfach nicht geht? Nun, die Investitionskosten sind sehr hoch. Und da fängt es erst an. Für das Risiko gibt es kaum Investoren oder Banken, die mitmachen würden. Dazu gibt es kaum Chancen zu belegen, das dieses Geschäftsmodell ein Selbstläufer wird. Wird es ja auch nicht (jeder Erfolg setzt harte Arbeit voraus). Wir leben halt in Deutschland, wo Gründer und innovative Menschen eher klein gehalten werden. Würde ich quiek! in den USA starten, wäre das Risiko höher, aber Investoren würden sich finden. Nur in den USA gibt es auch schon ein Meerschweinchen-Magazin. 😉

Über Crowdfunding könnte es möglich sein. Was das ist? Sehr viele Menschen investieren kleines Geld in einen Traum. Die Masse sorgt für das Grundkapital und bekommen z.B. bei Erfolg irgendwann einen Bonus, ein Dankeschön usw. (Siehe Link) Allerdings ist quiek! dafür noch nicht bekannt genug. Und wir leben in Deutschland. Die Menschen sind wesentlich zögerlicher, lassen sich schwerer begeistern, haben Angst vor einer Niederlage. Lieber Geld auf dem Sparbuch, als für eine gewagte Idee. Oder Stromberg will einen Kinofilm machen, dann kommt das Geld auch zusammen. Vielleicht sollte Stromberg ein Meerschweinchen-Magazin machen? 😉 Ach, und eines sollten wir nicht vergessen. Ich war schonmal selbstständig. Sehr naiv dazu und bin gescheitert. Während ein gescheiteter Mensch in den USA aufstehen darf und kämpfen kann. Ihr wisst schon. Deutschland, genau… War wohl nix, auch wenn es bei mir schon 10 Jahre her ist und ich dazu gelernt habe. 😉

Und so kommt es, das mangels Mut, die Print-Branche in Deutschland immer weiter schrumpft, die Auflagen sinken. Tolle Zeitschriften verschwinden oder erst gar nicht auf den Markt kommen. Zeitungen immer mehr an Bedeutung verlieren. Während in den USA sich Online-Konzerne wie Amazon, sich für unglaublich viel Geld, eine lahmende große Tageszeitung aufkaufen und sich einfach mal im Printgeschäft versuchen. Amazon glaubt tatsächlich am Printgeschäft. Bertelsmann entlässt 400 Mitarbeiter und wirkt ansonsten eher mutlos. Ach ja, Gruner + Jahr wurde übernommen. Aber auch nur die fehlenden rund 25%, damit sie nun die 100%igen Herrscher sein können.

Ach ja. Eines können wir Deutschen auch. Meckern, leiden, klagen, statt anpacken und für das kämpfen, an was man glaubt. Irgendwie wirke ich gerade doch etwas zu deutsch. 😉

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One thought on “quiek!, Bertelsmann, Gruner + Jahr und Print-Medien

  1. du hast es toll geschrieben, etwas bitter in deine note, aber so ist das manchmal mit große Unternhmer. trotzdem glaub weiter festdaran und manchmal werden auch träumer wahr

    ciao
    von Giorgio der gestern seine Lisi verloren hat
    aber es ist nur ein Meerschweinchen

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