guinea-pig-467399_1280Hat ein Meerschweinchen Durfall oder unförmige Köttel, sollte man zum Tierarzt gehen. Stellt dieser fest, dass es an den Hefen liegt, und verordnet ein Antipilzmittel, wird es dem armen Tier aber keinesfalls besser gehen. Das Problem fängt bereits mit der Kotuntersuchung an: Nicht mit jedem Köttelchen werden gleichermaßen viele Hefen ausgeschieden. Mal sind es mehr, mal weniger. Dies kann von Köttel zu Köttel schwanken, sogar von Tag zu Tag. Deshalb wird empfohlen Kot über mehrere Tage zu sammeln.

Hefen werden immer im Kot gefunden, denn sie gehören in den Kot. Ohne Hefen (Darmpilze oder wissenschaftlich Candidae) ist eine Zersetzung der Nahrung nicht möglich. Pilze gehören, genau wie Bakterien, zu einer intakten Darmflora. Wer entscheidet nun, wann es ein Zuviel an Pilzen ist; vor allem bei den äußerst schlecht erforschten Meerschweinchen? Was ist normal, was nicht mehr? Hinzu kommt, dass dies von Lebewesen zu Lebewesen stark schwanken kann. Was für das eine Tier normal ist, ist für das andere bereits zuviel.

Richtige Ernährung
Meerschweinchen brauchen für ihre Gesunderhaltung Konstanz in der Kostform, damit sich eine spezifische Darmflora entwickeln kann. Dysbakterien entstehen nicht durch eine Erkrankung, sondern sind Zeichen einer entsprechend krankmachenden Ernährung, wozu plötzliche Futterumstellung, Medikamentengabe und individuelle Unverträglichkeiten zu zählen sind.

Erklärung
Darm und Immunsystem stehen in enger Verbindung zueinander. Ist der Darm geschwächt, verliert das gesamte Immunsystem an Stärke. Diverse Krankheitserreger haben nun leichtes Spiel gesundheitliche Beschwerden auszulösen und umgekehrt kann es bei einer Abwehrschwäche zu Störungen im Magen-Darm-Trakt kommen. Die Darmflora gerät aus dem Gleichgewicht, man spricht von Dysbakterie.

Darmpilze betreffen nur den Darminhalt des Dickdarms, also die aus Bakterien und Pilzen zusammengesetzte Darmflora und nicht das Organ selbst bzw. die Darmwand. Ein Befall des Organes ist nur bei vorliegenden schwersten Erkrankungen möglich.

Die Diagnose „Hefepilze“ (in der Fachsprache Candida albicans) ist immer differenziert zu betrachten. Es gibt keine verbindlichen Richtwerte, wie viele Hefen im Darminhalt noch als physiologisch normal zu betrachten sind, denn die Zusammensetzung der Darmflora variiert von Organismus zu Organismus.

Radikale Behandlung
Allzu leicht werden heute bei einer „gekippten“ Darmflora Pilzmittel (Antimykotika) eingesetzt. Diese töten sämtliche Pilze ab, was aufgrund der Instandhaltung einer gesunden Darmflora schon kritisch ist, denn Pilze gehören zu einer funktionierenden Darmflora dazu. Sie helfen die Nahrung zu zersetzen. Das massenhafte Absterben der Mykosen kann Gifte hinterlassen, welche ihrerseits über die Darmwand ins Blut gelangen können, was wiederum Schwerstarbeit für die Leber ist. Es handelt sich ergo um eine Heilkrise. Dem Tierchen ist es zudem bei dieser Prozedur äußerst unwohl. Es fühlt sich krank und leidet nicht selten unter heftigen Bauchschmerzen.

Natürliche Behandlung
Viel sinnvoller als Medikamente ist hier der Einsatz eines altbewährten, natürlichen Heilmittels: Apfelpektin. Wie der Name schon sagt, wird dies beim Pressen von Äpfeln aus deren Schalen gelöst und als Pulver- oder Konzentratform hergestellt. Pektin bildet Komplexe und wirkt gelierend. Auf natürliche und ungefährliche Art werden dem Organismus Giftstoffe entzogen. Pektin wirkt stark wasserbindend und beeinflusst somit das Verdauungssystem durch die Veränderung der Konsistenz des Magen-/Darminhaltes. Der Transport durch das Verdauungssystem wird verlangsamt, wodurch Nährstoffe maximal aufgenommen werden können. Dies wiederum ist dem Immunsystem zuträglich.

Dies alleine genügt nicht. Die Hefen müssen auch über die Nahrung ausgehungert werden. Dies geschieht mittels einer zuckerarmen Ernährung. Vor allem grünes Gemüse hat in aller Regel einen niedrigen Gehalt an Zucker: Salate (speziell Endivie), Gurke, Stangensellerie, Broccoli, Zucchini, grüne Paprika, Spinatblätter und auch Fenchel darf in einer Darmdiät nie fehlen; in den Sommermonaten selbstverständlich auch Wiesen- und Blätterkost. Die Gabe von Apfel und Karotte wird kontrovers diskutiert. Beide enthalten einen höheren Prozentsatz an Zucker, wirken aber gleichzeitig ausgleichend und beruhigend auf den Darm und liefern dem Tier zudem wertvolle Energie.

Durch den sanften Zuckerentzug sterben die Hefen nicht massenhaft ab. Sie können ohne weitere Beschwerden zu verursachen mit dem Kot ausgeschieden werden.

Fazit
Mit der Gabe von chemischen Antipilzmedikamenten werden Pilze relativ schnell abgetötet, nicht aber die Ursache des Problems behoben. Der vorschnelle Einsatz von Medikamenten sollte grundsätzlich überdacht werden. Alternative, natürlichere Methoden, die zudem noch nachhaltig wirken, sind generell vorzuziehen.

Quelle: quiek! Meerschweinchen-Magazin Sonderausgabe 1/2014

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