Alles fing mit zwei Tieren und Käfighaltung an. Doch aus zwei Meerschweinchen wurden sehr bald mehr Schweinchen. wink Das hatte zur Folge, dass das Platzangebot sowie die Haltungsbedingungen angepasst und optimiert werden mussten. Vor allem in Sachen Einstreu war ich ständig auf der Suche nach der für uns besten Lösung. Im Laufe der Jahre habe ich so ziemlich alles ausprobiert, was der Handel diesbezüglich anzubieten hat. Die erste Zeit benutzte ich Strohpellets, darüber eine dicke Schicht Weichholzspäne, sowie kuscheliges Stroh, das auch gerne geknabbert wurde. Die Strohpellets haben sich von allen Pellets am meisten bewährt. Sie sind saugfähiger und vor allem geruchsbindender wie Mais- oder Holzpellets. Sie zerfallen bei Feuchtigkeitsaufnahme und bilden eine homogene Schicht, einem Teppich gleich.

Ich bin Innenhalter mit großem Garten. Somit tauchen zwei Probleme auf: Zum Einen die Staubentwicklung im Zimmer und zum Anderen die lange Verrottungsdauer des Einstreus. Beim Umschichten des Komposts haben wir festgestellt, dass es sehr lange dauert, bis die Holzspäne vollständig zersetzt werden. (2-3 Jahre). Ich ersetzte die Holzspäne durch Hanfeinstreu (Aubiose), später dann aufgrund des enormen Preisanstiegs durch Leinenstroh (Eurolin). Von der Hanfeinstreu war ich sehr begeistert, weil das Staubvolumen sich um mehr als die Hälfte verringert. Nebenbei hatte es den Vorteil, dass ich die Langhaar-Meeris nicht ständig von der Einstreu „befreien“ musste.

Die Gruppe wuchs auf sieben Tiere an und ich probierte eine Kombination aus Decken- und Käfighaltung. Ich stellte den 160er-Käfig mit Einstreu in den Dauerauslauf, den ich mit Teddyplüschdecken (eigentlich Hundedecken) auslegte. Zum Schutz des Bodenbelags kam eine Schicht Teichfolie darunter. Um in den Auslauf zu gelangen mussten die Schweinchen auf Rampen bzw. Unterstände springen. Diese Art der Haltung hatte ich viele Jahre. Dann bemerkte ich, dass mein Kastrat mit seinen fast 7 Jahren und beginnender Arthrose nicht mehr so hoch springen konnte. Ein ebenerdiges Bodengehege musste her! Und so begann im Jahr 2013 die Umstellung auf komplette Fleecehaltung.

Auf 4 qm legte ich zunächst einen Rasenteppich aus (anstelle der Teichfolie). Ich wählte einen mit Noppen auf der Unterseite – nicht wegen der Feuchtigkeit, sondern als Wärmedämmung gegen den doch recht kalten Korkboden. Auch von der Optik her ist der Teppich ansprechender als Teichfolie. Darüber wird eine Inkontinenzdecke gelegt, die unten gummiert und oben mit Molton beschichtet ist. Die nächste Schicht besteht aus dünnen Fleecedecken. Unter die Häuser und Unterstände, wo am meisten gepinkelt wird, lege ich die Teddyplüschdecken aus dem ehemaligen Dauerauslauf. Viele Halter nähen sich dazu urindichte Pads, die öfter gewechselt werden können, ohne gleich eine Komplettreinigung vornehmen zu müssen.

Um dem Buddeltrieb der Schweine nachzukommen habe ich eine Katzentoilette zur Buddelkiste umfunktioniert, die mit Strohpellets und Hanfeinstreu eingestreut wird. Insgeheim hatte ich ja die Hoffnung, die Schweine würden ihr Geschäft dort verrichten und ich bräuchte fortan nur noch die Kiste misten. Dass das ein Wunschtraum bleiben würde, war mir eigentlich von Anfang an klar. wink
Entgegen meiner Befürchtung müffeln die Decken auch nach mehreren Tagen nicht und die Schweinchen sitzen immer auf einem trockenen Untergrund.
Die Fleecedecken leiten den Urin nach unten. Dort wird er von der Moltonschicht aufgesogen. Außerdem trocknet das Fleece sehr schnell.

Grundausstattung
Als Grundausstattung braucht man zwei Inkontinenzdecken und mehrere Fleceedecken (je nach Größe der auszulegenden Fläche). Ich habe acht Fleecedecken, wovon vier jeweils in Gebrauch sind. Man sollte auf eine gute Qualität der Inkontinenzdecken achten, wenn man keine böse Überraschung erleben will. Frottee-Handtücher sind beispielsweise absolut ungeeignet.

Die Begeisterung war nicht nur bei mir sehr groß, auch die Meeris fühlen sich pudelwohl. Sie sind viel agiler und popcornen viel häufiger als im Einstreu. Heu und Köttel können mit einem Gummibesen abgefegt werden. Die Langhaarschweine haben keine Eisntreu mehr im Fell. Futter und Kuschelsachen bleiben sauber und sind nicht mehr mit Spänen „paniert“. Offene Wunden bei kranken Tieren sind besser vor Verschmutzung geschützt. Allergiker-Schweinchen atmen im wahrsten Sinne des Wortes auf. Die Müllentsorgung entfällt komplett, dafür muss man halt waschen. Um die Waschmaschine, insbesondere das Fusselsieb, nicht überzustrapazieren, wasche ich sämtliche Decken und Kuschelsachen in einem alten Bettkissenbezug.

Worauf man unbedingt achten sollte wäre das Waschmittel. Ich benutze indische Waschnüsse. Sie sind biologisch abbaubar und völlig geruchsneutral. Sie verkleben die Fasern der Fleecedecken nicht (wie einige Flüssigwaschmittel). Weichspüler, den man aus Umweltschutzgründen sowieso nicht verwenden sollte, ist bei einer Kunstfaser wie Fleece absolut tabu. Inwieweit sich die Energiekosten fürs Waschen und die Anschaffungskosten für Einstreu gegeneinander rechnen, habe ich nie berechnet. Für mich überwiegen die Vorteile.

Fazit
Fleecehaltung ist für mich und die Schweine die bessere Alternative zum Einstreu.

Das Misten kann bequemer und in kürzerer Zeit erfolgen.
Der tägliche Aufwand (Böhnchen abkehren, Pads ausschütteln) ist zwar etwas höher, lohnt sich aber.
Die Befürchtung, dass die Fleecedecken angenagt oder sogar gefressen werden, konnte ich bei uns noch nie beobachten.
Auch ein Hängenbleiben mit den Krallen ist bisher nicht vorgekommen.
Als Innenhalter mit Bodengegehge kommt für mich nichts anderes mehr in Frage.

quiek! Meerschweinchen-Magazin Sonderausgabe 1/2014
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