guinea-pig-498848_1280Die Vorfahren unserer Hausmeerschweinchen stammen aus den Hochebenen und Buschsteppen der Anden. Sie ernähren sich in ihrem natürlichen Habitat auch heute noch hauptsächlich von Gräsern, Wiesenkräutern und Blättern von Gemüsepflanzen.

Wie ihre wilden Ahnen sind auch unsere Hausmeerschweinchen sogenannte Blinddarm-Fermentierer. Sie haben somit einen mit Pferden vergleichbaren Verdauungstrakt. Nahrung passiert zuerst Magen und Dünndarm, wo leichtverdauliche Nährstoffe gespalten und aufgenommen werden. Der so entstandene Nahrungsbrei wird in den Blinddarm weitergeschoben, wo Bakterien die Pflanzenfasern zersetzen. Die Zellulose liefert dank dieser Bakterien Energie für das Tier und die Bakterien selber Protein, welches via Blinddarmkot wieder aufgenommen wird.

Meerschweinchen sind auf hohen Struktur- und Rohfasergehalt in der Nahrung angewiesen. Der Mineral- und Stärkegehalt hingegen sollte niedrig sein.
Für die Verdauung von stärkereichem, „zuckrigem“ aber zellulosearmem Futter stehen im Dünndarm keine Enzyme zur Verfügung. Der Brei würde letztendlich unverdaut in den Dickdarm geraten, wo es zu einer Entgleisung der mikrobiellen Verdauung kommen kann. Fehlgärungen wären die Folge, Durchfall das sichtbare Resultat.

Ideale Ernährung
In einer Liste nach Prioritäten geordnet sähe die absolut ideale Meerschweinchenernährung aus wie folgt:

1.Verschiedene Gräser/Wiesenheu
2.Wildkräuter/Blattgemüse
3.Zweige mit Blättern/Laubheu
4.Fruchtgemüse/Wurzelgemüse/Obst
5.Gewürzkräuter

Ernährungsphysiologisch ist eine einseitige Verfütterung von Obst/Wurzel- und Fruchtgemüse nicht ideal. Viel unproblematischer und empfehlenswerter als Ersatz von Gräsern, Wiesenkräutern und Blättern ist die Verfütterung von Blattgemüse, wozu hier auch blättrige Kohlarten wie der Wirsing gezählt werden. Auch wenn Gewürzkräuter wie die Petersilie bei Meerschweinchen großen Anklang finden, sollten die Gaben dennoch im moderaten Bereich bleiben. Es handelt sich – auch für Tiere – um ein Gewürz und nicht um ein Hauptnahrungsmittel. Dafür ist der Mineraliengehalt viel zu hoch.

Eine artenreiche, ungedüngte Wiese wäre die sinnvollste Nahrungsquelle für unsere Hausmeerschweinchen; dazu noch Blätter von Gemüsekulturen und Sträuchern aus Garten und Wald.

Doch alle Theorie ist nichts ohne die Praxis. Nicht jeder besitzt einen großen Garten. Zudem ist es in unseren Breitengraden meist nicht möglich, rund um’s Jahr an genügend frische Naturkost zu kommen. Außerdem hat nicht jeder das Zeitbudget täglich wortwörtlich mehrere Wiesen abzugrasen.

Der viel gelesene Rat in Foren „wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ bezüglich frischer Wiesenkost ist nicht so gefahrenbefreit, wie oft dargestellt. Unerlaubtes Wiesenpflücken im großen Rahmen auf fremden Feldern ist Diebstahl. Vielerorts herrschen große Zeckenplagen und ja, Zeckenkrankheiten gefährden nicht nur den Pflücker, sondern im gleichen Maße auch unsere Haustiere. Hundekot und -urin sind nicht einfach nur ekelig. Die bakterielle Zusammensetzung stellt eine Gefahr für die Gesundheit unserer kleinen Nager dar, auch wenn nicht sämtliche Bakterien als unbedingt pathogen gelten. Auf mit Kuhmist gedüngten Wiesen tummeln sich jede Menge Darmbakterien, jedenfalls so lange bis der Mist endgültig ins Erdreich abgesunken ist, was mehrerer intensiver Regenfälle bedarf. Gepflückte Wiesenkost sollte innerhalb von 24 Stunden verzehrt werden. Was länger gelagert wird durchläuft automatisch einen Gärungsprozess, der zumeist vom menschlichen Auge oder der Nase nicht früh genug wahrgenommen werden kann.

Empfehlung
Die oft gelesene Empfehlung „Gemüse“ zu füttern ist sehr problematisch, da unter Gemüse sowohl stärkehaltige Wurzeln als auch Fruchtgemüse verstanden wird.

Geeignet zum täglichen Verzehr sind: Gräser, Löwenzahn, Wiesenkräuter, grünes Blattgemüse, Topinamburblätter, Maisblätter, Sonnenblumenblätter, Blätter vom Haselstrauch, Salate wie Endiviensalat, Radicchio, Römersalat, Lollosalat, Zuckerhut, Chicorée, Kopfsalat (diesen bitte nur in Freilandqualität, dann ist er unbedenklich), Eisbergsalat, Wirsing, Chinakohl, Karotten, Gurken, Fenchel, Broccoli, Staudensellerie mit Grün und Zucchini.

Früchte wie Äpfel, Wurzelgemüse wie Rote Beete oder Knollensellerie und Fruchtgemüse wie der Maiskolben, enthalten viele Kohlenhydrate und können nur ungenügend verdaut werden. Sie können die Dickdarmflora erheblich stören und zu Verdauungsstörungen führen. Deshalb sollten sie zurückhaltend verfüttert werden.

Nach Möglichkeit sollte nur einheimisches Saisongemüse verfüttert werden. Importware ist teilweise gesundheitsgefährdent stark behandelt und sollte gemieden werden.

Viel Struktur und wenig Energie ist also gefragt. Der Leser mag sich nun fragen, wo denn Salat eine Struktur habe. Salat wird gar öfters als „gefärbtes Wasser“ bezeichnet. Man lege ein Salatblatt gerne mal unter’s Mikroskop, da wird die Blattstruktur gut sichtbar. Je nach Sorte ist mehr oder weniger Struktur zu verzeichnen.

Trockenfutter sollte aufgrund seines hohen Energiegehaltes ebenfalls nur als Leckerchen angeboten werden. Körner können im Dünndarm nicht aufgespalten werden und geraten unverdaut in den Dickdarm, sind also nicht geeignet. Getrocknetes Gemüse und Früchte enthalten viel zu viel Zucker, eignen sich also auch nicht. Oft werden Trockenfuttermischungen großzügig mit getrockneter Luzerne angereichert. Diese ist frisch gereicht zwar sehr wertvoll, getrocknet aber enthält sie zuviel Kalzium, welches zu kreidigem Harn sowie zur Harnsteinbildung führen kann. Zu harte Pellets dienen nicht etwa der Abnutzung der Zähne; durch deren Härte werden sie nicht vom Gebiss zermahlen, sondern zerbissen. Dies führt zu einem hohen Druck auf Zähne und Kiefer. Geeigneter sind alle „weicheren“ Pellets mit einem Rohfasergehalt von mindestens 15%. Oft wird zu Pellets geraten, um den Bedarf an Vitamin C ausreichend zu decken. Meerschweinchen können aufgrund eines fehlenden Enzyms – genau wie der Mensch – kein eigenes Vitamin C bilden. Grüne Pflanzen und Blattgemüse enthalten jedoch bereits reichlich Vitamin C.

Als Nage- und beliebtes Beschäftigungsmaterial eignen sich bestens Zweige von ungespritzten Obstbäumen. Blätter vom Apfel- oder Birnenbaum sind sehr beliebt.

Ob Futter aus der Natur oder aus dem Supermarkt: In jedem Fall ist die Gabe ad libitum von gutem, aromatischem Heu sowie von frischem Wasser unabdingbar. Auch Stroh wird gerne geknabbert. Es enthält allerdings kaum einen Nährwert, dafür aber viel Rohfaser.

Egal was neu angefüttert wird: Zunächst sollten nur sehr kleine Portionen untergemischt werden bevor die Menge allmählich gesteigert wird.
(überarbeitete Fassung aus quiek! 1/2014)

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